Sehen

Sehen

In der Funktionaloptometrie wird Sehen auch als visueller Prozess bezeichnet.

Die Augen nehmen das Licht auf, welches von Gegenständen reflektiert wird. Am Augenhintergrund löst das Licht Nervenimpulse aus, welche über den Sehnerv das Gehirn erreichen. Der visuelle Prozess ist dafür zuständig aus diesen Lichtinformationen Sinn und Bedeutung zu erlangen und daraufhin Handlungen zu steuern.

Ein Funktionaloptometrist versteht unter den Begriffen „sehen“ oder „visuell“ etwas anderes als verwandte Berufe (Augenoptiker, Augenärzte) und die allgemeine Bevölkerung. Die meisten Menschen denken nur an Sehschärfe, wenn sie über Sehen sprechen. Wenn der Normalbürger zum Optiker oder zum Augenarzt geht, erwartet er eine Überprüfung der Sehschärfe und falls nötig die Anpassung einer Brille oder Kontaktlinsen, um die Sehschärfe wieder auf das Normalmass anzuheben.

Ein Funktionaloptometrist macht dies auch, jedoch zusätzlich noch viel mehr! Jeden Augenblick in dem wir wach sind, führen wir Handlungen durch und planen neue Handlungen. Damit wir Handlungen planen und ausführen können, müssen wir ständig unsere Umgebung mit all unseren Sinnen scannen. Der visuelle Prozess spielt dabei eine Führungsrolle. Der visuelle Prozess erzeugt eine räumliche Karte, wo wir uns im Raum befinden, wo unsere Körperteile relativ zu einander sind und wo Objekte sind, welche wir gerade anblicken.

Dieses innerliche Konstrukt der Realität wird permanent aktualisiert. Wir verwenden es, um unsere Handlungen zu lenken. Aus der Sicht eines Funktionaloptometristen ist eine ungeschickte oder ungenaue Bewegung in den allermeisten Fällen nicht durch ein fehlerhaftes motorisches System verursacht, sondern durch Fehler im Steuerungs- und Kontrollsystem, welches ein Teil des visuellen Systems ist. Somit sind ungeschickte oder ungenaue Bewegungen meistens durch visuelle Probleme verursacht.

 


optimum-all-(100x100)Man kann das Sehen (im Sinne der Funktionaloptometrie) auch als die Zusammenarbeit von vier Untersystemen betrachten:

Jeder farbige Kreis symbolisiert eines der vier Untersysteme. Der kleine schwarze Kreis in der Mitte symbolisiert das Sehen (im funktionaloptometrischen Sinn).

 

optimum_rot-(100x100)Erstes Untersystem: Lokalisierung bzw. Orientierung.

Mit diesem System bestimmen wir unsere eigene Position im Raum. Dazu müssen die Augen bewegt werden. Es gibt Blicksprünge und Augenfolgebewegungen.

Beispiel einer anderen körperlichen Funktion, die in diesem System beteiligt ist, ist der Gleichgewichtssinn. 18% der Nervenfasern, welche von den Augen ins Gehirn führen werden nicht zum bewussten Sehen verwendet, sondern verknüpfen sich mit Fasern welche vom Gleichgewichtsorgan ins Gehirn führen.

 

optimum_gruen-(100x100)Zweites Untersystem: Zentrierung.

Dieses System bestimmt die Position anderer Objekte um uns herum.

Um die Entfernung eines Objektes genau zu bestimmen, müssen beide Augen genau auf das Objekt ausgerichtet sein. Damit sich beide Augen auf Objekte in verschiedenen Entfernungen ausrichten können, wird die Konvergenz LINK (Winkeleinstellung) benötigt. Je näher ein Objekt, desto mehr müssen die Augen konvergieren (sich in Richtung zur Nase einwärts richten).

Beispiel einer anderen körperlichen Funktion, die in diesem System beteiligt ist, ist die Skelettmuskulatur, um den Körper bzw. Kopf auf ein Objekt auszurichten.

 

optimum_orange-(100x100)Drittes Untersystem: Identifikation.

Durch dieses System wird bestimmt und erkannt, was die Augen zuvor zentriert haben.

Dazu wird die Fokussierung (Scharfstellung) der Augen auf die entsprechende Entfernung benötigt.

Beispiel einer anderen körperlichen Funktion, die in diesem System beteiligt ist, ist das Gedächtnis, um aufgenommene Bilder mit abgespeicherten Bildern zu vergleichen.

 

optimum_blau-(100x100)Viertes Untersystem: Analyse und Kommunikation.

Durch dieses System können identifizierte Eindrücke analysiert und kann mit anderen Menschen kommuniziert werden.

Dazu wird bildliches Vorstellungsvermögen benötigt. Man muss sich ein Bild von dem machen können, was man sieht.

Beispiel einer anderen körperlichen Funktion, die in diesem System beteiligt ist, ist das Sprechen.

 

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